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Giftpflanze Maiglöckchen
Giftpflanze Maiglöckchen
9. Juni 2017 Ernährung & Krankheit

Giftpflanze Maiglöckchen

Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) ist eine unkomplizierte Frühlingsblume mit markantem Duft. Seit langer Zeit gilt die kleine zarte Blume als Glücks- und Liebessymbol: die weiße Farbe der Blüten signalisiert Reinheit, das Grün der Blätter steht für Hoffnung. Das Maiglöckchen ist aber auch eine Giftpflanze, die immer wieder mit Bärlauch verwechselt wird.

Das Maiglöckchen stammt aus der artenarmen Gattung Convallaria aus der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Aufgrund der in manchen Jahren stattfindenden gleichzeitigen Blüte von Bärlauch und Maiglöckchen werden diese beiden Pflanzen immer wieder verwechselt.

Da der Bärlauch in der heimischen Küche gern verarbeitet wird, sollte man besonders vorsichtig sei: denn Maiglöckchen sind giftig! Sie enthalten Glykoside, die zu Herzrhythmusstörungen führen können. Da die Gifte des Maiglöckchens vom Darm aber nur schlecht aufgenommen und von der Niere rasch wieder ausgeschieden werden, sind tödliche Vergiftungen eher selten. Doch ungefährlich sind Maiglöckchen keinesfalls!

Maiglöckchen Giftpflanze des Jahres 2014

Das Maiglöckchen erhielt im Jahr 2014 den Titel ‚Giftpflanze des Jahres‘. Doch wie so soft macht auch bei dieser Frühlingsblume die Dosis das Gift, denn die zarte Pflanze hat auch eine ruhmreiche Geschichte als Heilkraut.

Exkurs: Heilwirkung

Früher fand das Maiglöckchen in Form von getrockneten Pflanzenteilen Anwendung in der Medizin; heute werden entweder Extrakte aus der Pflanze, wie Tinkturen oder stark verdünnte homöopathische Zubereitungen zur Behandlung von Herzerkrankungen verordnet. Leichte Formen von Herzmuskelschwäche oder altersbedingten Herzbeschwerden können behandelt werden, ebenso kann das Mittel zur Ausschwemmung von Wasseransammlungen mit dem zusätzlichen Ziel einer deutlich erhöhten Ausscheidung von Kalium und Natrium eingesetzt werden.

Die Giftwirkung des Maiglöckchens ist vergleichbar mit der des Digitoxins aus dem roten Fingerhut. Es werden jedoch nur rund 10% der Wirkstoffe der Blume im Körper aufgenommen, weswegen die Wirkung wesentlich schwächer – und weniger giftig – ist.

Als unerwünschte Nebenwirkungen können Maiglöckchen und Maiglöckchenarzneien vor allem bei unsachgemäßer Dosierung zu Kopfschmerzen, Benommenheit, Herzrhythmusstörungen, Übelkeit, Erbrechen und Störung des Farbsehens führen. Besonders achtgeben muss man bei der Kombination mit anderen Arzneien – vor allem bei Medikamente, die den Kaliumspiegel zusätzlich absenken.

Kenndaten

  • Wissenschaftlicher Name: Convallaria majalis
  • Familie: Spargelgewächse (Asparagaceae)
  • Unterfamilie: Nolinoideae
  • Wuchshöhe: 15 bis 30 cm
  • Blütenfarbe: weiß
  • Samenfarbe: die dreifächerigen Beeren färben sich bei Reife leuchtend rot und enthalten ein bis fünf gelbe bis hellbraune Samen
  • Vorkommen: ganz Europa bis zum Kaukasus; in Nordamerika eingebürgert
  • Standorte: Schatten und Halbschatten, Mischwälder

Stark giftig!

Alle Pflanzenteile des Maiglöckchens sind giftig, besonders aber Blüten und Früchte. Die Pflanze enthält 38 Glykoside, die sich von 9 Aglyka ableiten lassen.

Vergiftungserscheinungen äußern sich bei direktem äußerlichem Kontakt durch Haut- und Augenreizungen.

Bei Verzehr der Pflanze kommt es zu den gleichen Symptomen wie bei einer Überdosierung der Pflanze als Heilmittel: Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Harndrang, Herzrhythmusstörungen, Schwindel und Beklemmung.

Am Anfang der Vergiftung kommt es zu erhöhtem Blutdruck und rascherem Puls, später sinkt der Blutdruck. In extremen Fällen wird die Atmung immer tiefer und langsamer bis hin zum Herzstillstand.

Besonders Kinder, die sich durch den wunderbaren Duft angezogen fühlen, sind gefährdet. Bei kleinen Kindern kann schon der Genuss von wenigen Beeren oder Blüten – bei gesunden Erwachsenen treten beim Verzehr bis zu fünf Beeren höchstens kurzzeitige Sinusarrhythmien auf, meist jedoch gar keine Symptome – zu Vergiftungserscheinungen führen. In jedem Fall sollte sofort der Giftnotruf oder ein Arzt gerufen werden.

Auch Tiere sind gefährdet: Vergiftungen von Tieren bei der Waldmast sind keine Seltenheit, aber auch Vergiftungen von Geflügel kommen immer wieder vor.

Verwechslungsgefahr

Die Verwechslung von Bärlauch mit Maiglöckchen ist zwar eher selten, da der junge Bärlauch üblicherweise schon gepflückt wird, bevor die Maiglöckchen erst austreiben, aber alle paar Jahre kommt es zu Überschneidungen – und somit auch immer wieder zu Verwechslungen.

Zwar sind diesfalls die Folgen nicht so fatal, wie dies bei der Verwechslung mit der Herbstzeitlose der Fall ist. Doch wenn der Verdacht einer Vergiftung mit Maiglöckchen – oder gefährlicherem – besteht, ist unbedingt ein Arzt oder die Vergiftungszentrale zu kontaktieren!

Synonyme

Aprilenglöckle, Chaldron , Eenstengelkenbläder, Faltrian, Fildronfaldron, Glasblüamli, Galleieli, Weiß Gilgen, Herrenblümli, Lilje, Mäjariesli, Maieriesli, Maiarisli, Maiblume, Maiglocken, Marienglöckchen, Niesekraut, Schneetropfen, Zauken, Zautschen, Zaupen

Hauptwirkstoffe:

Convallatoxin, Convallatoxol, Convallosid, Desglucocheirotoxin

Linktipps:

– Giftige Pflanzen
– Heilpflanzenlexikon: Bärlauch
– Phytopharmazie
– Pilzvergiftung: Symptome & Behandlung



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